Was ist Schamanismus?

Schamanismus gibt es, der Forschung zufolge,seit Jahrtausenden weltweit.Auf steinzeitlichen Felsmalereien finden sich bereits Elemente, die von den Forschern als schamanisch interpretiert werden.Offensichtlich hat der Schamanismus seinen Ursprung in nomadischen Gesellschaften. (Wer sich genauer für die geschichtlichen Aspekte interessiert, findet viele spannende und detaillierte Informationen zu diesem Thema in Paul Uccusics Buch "Der Schamane in uns".)

Heute existieren noch vereinzelt schamanische Kulturen, die von der "Zivilisation" weitgehend unberührt geblieben sind. Die Indianer Nord- und Südamerikas haben trotz jahrhundertelanger Unterdrückung große Teile ihrer schamanischen Tradition bewahren können. Im Rahmen der Rückbesinnung dieser Völker auf ihre eigenen Kulturen blüht der Schamanismus dort an vielen Stellen wieder auf oder wurde in die neue Kultur integriert. Auch in der Mongolei und in Sibirien konnte der Schamanismus trotz Verbots die sozialistische Zeit überdauern und wird dort wieder öffentlich praktiziert.

Im europäischen Raum wurde der Schamanismus mit den Hexen-verbrennungen weitgehend ausgerottet. In Märchen und im sog. Volkschristentum sind noch vereinzelt schamanische Elemente erhalten geblieben.

Das schamanische Weltbild

Alles, was ist, lebt!
Alles hat neben seinem materiellen Aspekt auch einen geistig-spirituellen Aspekt. Die Erde, Bäume, Pflanzen, Steine und auch Gegenstände leben und können der Schamanin Informationen geben und auf Fragen antworten. Alles, was lebt, hat auch einen Geist. Der Geist des Berges, der Erde, des Baumes oder Tieres usw. spricht mit dem Schamanen.

Die nicht-alltägliche Wirklichkeit (NAW)

Dieser Begriff stammt von Carlos Castaneda und vermittelt, dass es sich einerseits um eine Wirklichkeit handelt, die eindeutig als real erfahren wird, andererseits aber nicht alltäglich ist, das heißt, nicht den gewohnten Maßstäben und Bedingungen von Messbarkeit, Beweisbarkeit, Raum und Zeit unterliegt. Es handelt sich sozusagen um eine andere Dimension mit anderen Gesetzmäßigkeiten.

Die NAW wird in vielen schamanischen Kulturen in die obere, mittlere und untere Welt eingeteilt, innerhalb dieser drei Welten kann es noch jeweils verschiedene Ebenen geben.
Die untere Welt gleicht in ihrem Aussehen unserer alltäglichen Welt, es gibt dort Landschaften verschiedenster Art.Vor allem ist sie der Wohnort der Krafttiere, zu denen die Schamanin reist, um sich von ihren persönlichen Verbündeten Rat zu holen oder um mit ihnen weiter zu reisen. Die mittlere Welt entspricht unserer alltäglichen Welt, jedoch ihrem nicht-alltäglichen Aspekt. Hier kann der Schamane zu weit entfernten Orten reisen um jemanden zu heilen oder um verlorene Gegenstände zu finden. Aus der mittleren Welt geleitet die Schamanin die Verstorbenen in Jenseits, damit sie sicher dort ankommen, wo ihr Platz ist.
In der oberen Welt trifft der Schamane seinen Lehrer oder Meister, je nach Kultur auch Götter oder andere Wesenheiten.

Die Schamanin arbeitet für das Wohl ihrer Gemeinschaft. Sie stellt die Verbindung zur geistigen Welt her, aus der sie mit Hilfe ihrer Verbündeten Informationen und Heilung in die alltägliche, materielle Welt bringt.